Borggrebe, Birgit

Eine Lis­te mei­ner Artikel

Ben­ning­haus­preis 2019

1. Bir­git Borggrebe

2. Maria Korporal

3. Clau­dia Kochsmeier

Begrün­dung Vor­schlag der Jury / Ute Mül­ler-Tisch­ler, Andre­as Kaern­bach, Ulri­ke Oppelt

Vor­be­mer­kung

Es galt unter 19 Bewer­bun­gen, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten, in der Tech­nik, im künst­le­ri­schen Zugriff zu einer Ent­schei­dung zu kom­men. Video­ar­bei­ten kon­kur­rier­ten mit Stein­skulp­tur, Mul­ti­me­dia, Male­rei, kon­zep­tio­nel­ler Kunst, Foto­tech­ni­ken und Objekt­kunst. Hier die Ent­schei­dung für eine ein­zi­ge Posi­ti­on zu tref­fen, hat die Jury als äußerst schwie­rig und schmerz­haft emp­fun­den. Es war der Jury daher wich­tig, neben der Preis­ent­schei­dung auch drei Posi­tio­nen zu nen­nen und zwei Wür­di­gun­gen auszusprechen.

Auf­ge­fal­len sind der Jury die Arbei­ten von Susan­ne Kess­ler, Kars­ten Kelsch und Robert Schmidt-Matt, die über Jah­re sehr kon­se­quen­te Werk­kom­ple­xe ent­wi­ckelt und uns ihrer Strin­genz beein­druckt haben.

Wür­di­gen will die Jury die bei­den Medi­en­künst­le­rin­nen Maria Kor­po­ral und Clau­dia Kochs­mei­er. Maria Kopo­ral weiß die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten ihres Medi­ums vir­tu­os aus­zu­rei­zen, um phan­ta­sie­vol­le und kom­ple­xe Bild­ge­schich­ten zu erfin­den. Clau­dia Kochs­mei­er hin­ge­gen prä­sen­tiert media­ti­ve Sze­nen, die uns berüh­ren, weil sie die Bezie­hun­gen zwi­schen Men­schen und Natur auf­leuch­ten lassen.

Der Kunst­preis des VBK – Ben­ning­haus­preis 2019 geht an die Archi­tek­tin und Male­rin Bir­git Borg­gre­be. Ihr Werk oszil­liert zwi­schen gegen­ständ­li­chen und abs­trak­ten Moti­ven. Oft über­la­gern sich die­se bei­den Ebe­nen in einem Bild. Col­la­ge­ar­tig schei­nen foto­gra­fi­sche Sze­nen auf, Land­schafts­ele­men­te und dazu schwarz-weiß, Gebäu­de, tot und leer, wie Rui­nen. Die­se Archi­tek­tur-Sze­ne­rien in der Land­schaft las­sen ihren beruf­li­chen Hin­ter­grund als Archi­tek­tin erken­nen. Die­se foto­gra­fi­schen Moti­ve sind der Aus­gangs­punkt ihrer Bild­kon­zep­ti­on, sie wer­den durch einen frei­en, farb­li­chen Auf­trag ver­frem­det. Auf die­se Wei­se ent­ste­hen Stim­mun­gen zwi­schen bedroh­li­cher Expres­si­vi­tät und poe­ti­scher Natur­stim­mung. In vie­len Bil­dern beto­nen dra­ma­ti­sche Pin­sel­stri­che ihre eige­ne Hand­schrift und stei­gern die Stim­mung ins Abgrün­di­ge und Unwirk­li­che. Oft scheint es, als säum­ten Bau­rui­nen radio­ak­tiv ver­seuch­te Gewäs­ser oder als tob­ten Wald­brän­de am Hori­zont. Es sind Land­schafts­sze­na­ri­en nach der Apokalypse. 

Umso über­ra­schen­der ist es, wenn es Bir­git Borg­gre­be gelingt, in glei­cher Tech­nik natur­idyl­li­sche Land­schaf­ten oder ver­spiel­te Roko­ko­sze­na­ri­en zu gestal­ten. Es ist die­se Band­brei­te ihrer Aus­drucks­kunst, die uns als Jury beein­druckt hat. Sie ist das Ergeb­nis eines glei­cher­ma­ßen durch­dach­ten kon­zep­tio­nel­len Ansat­zes wie einer durch und durch male­ri­schen Vir­tuo­si­tät. Daher gra­tu­lie­ren wir Bir­git Borg­gre­be zum Kunst­preis des VBK – Ben­ning­haus­preis 2019.

Bir­git Borg­gre­be (1952 in Arns­berg gebo­ren, lebt und arbei­tet in Berlin)